Seminare, Schulungen und Trainings für Unternehmen können auch als Webinar oder Online Schulung gegeben werden, wenn  infolge des Corona Virus die Durchführung im Unternehmen nicht stattfinden kann. Die Technik ist heute so einfach und verbreitet, dass jeder Seminaranbieter jetzt aus dem Home Office seine Seminare als Online Kurs aufbereiten kann. Wir zeigen wie einfach es geht und in welchen Schritten Ihr vorgehen könnt.

Für nahezu alle Anbieter von Seminaren und Bildungseinrichtungen stellt die aktuelle Situation eine gewaltige Herausforderung dar – aber auch eine Chance. Denn die Digitalisierung der Branche war ohnehin schon im Gange. Digitale Angebote für die betriebliche Weiterbildung wie z.B. von LinkedIn Learning werden von Unternehmen und Privatpersonen immer stärker genutzt, um individuelle Schulungen durchzuführen.

Die Anbieter von Seminaren und Schulungen sollten jetzt die Zwangspause nutzen, um schnell eigene Online Schulungen zu entwickeln. Nur so können in den nächsten Monaten die bestehenden Kunden bedient werden und Aufträge auch online abgewickelt werden.

Für viele Anbieter von Seminaren stellen sich zu Beginn vor allem die Frage, wie ein bestehendes Seminar in einen Online Kurs überführt werden kann. Dabei stehen technische Fragen im Vordergrund: Wie nehme ich einen Online Kurs auf, wie erreiche ich meine Kunden und wie stelle ich das Seminar zur Verfügung

Online Kurs, Webinar oder Live Schulung?

Wer bestehende Gruppen schnell online unterrichten will, kann dies als Online Live Schulung machen. Hierzu schalten sich der Seminarleiter und die Seminar Teilnehmer zu einer Live Video Konferenz zusammen. Eine einfache und leistungsfähige Plattform hierfür ist Microsoft Teams. Der Seminarleiter kann hier über die Funktion Bildschirm teilen Folien oder Unterlagen teilen und Fragen per Video oder im Chat beantworten. Wenn im Unternehmen Teams nicht verwendet wird wären die Lösungen Zoom oder Gotomeeting eine gute Alternative. Beide funktionieren stabiler als Skype.

Der Vorteil von Live Schulungen besteht in der Möglichkeit zur Interaktion mit den Seminarteilnehmern. Die Nachteile liegen allerdings darin, dass analog zum Frontalunterricht alle Teilnehmer gleichzeitig teilnehmen und im gleichen Tempo arbeiten müssen. Dies läßt sich durch Online Kurse besser lösen: Hier kann jeder Teilnehmer den Zeitpunkt selbst bestimmen und auch die eigene Lerngeschwindigkeit. Einzelne Kapitel können je nach Bedarf wiederholt oder auch übersprungen werden. 

Für Anbieter von Seminaren oder Trainings eröffnen Webinare und Online Kurse weitere Möglichkeiten: Ist der Kurs erst einmal aufgenommen, kann er ohne erneuten Zeitaufwand erneut angeboten bzw. verkauft werden. So entsteht für den Anbieter ein skalierbares Geschäftsmodell. Statt dem Unternehmen einzelne Präsenzschulungen anzubieten und abzurechnen, kann der Seminaranbieter zusätzlich zum Präsenztraining auch Subskriptionsmodelle abrechnen. Es entsteht eine zweite Einnahmequelle, die unabhängig vom Zeiteinsatz ist und keine Reisen erfordert. Dies ist auch für den Kunden von Vorteil, da die Unternehmen den eigenen Mitarbeitern so flexiblere Modelle für Schulung und Weiterbildung anbieten können. 

Webinar oder Online Kurs?

Das Webinar wird typischerweise als Live Webinar oder / und als aufgezeichnetes Webinar angeboten. Der Vorteil des Webinars liegt für den Seminaranbieter darin, dass die Aufnahme relativ einfach ist und ein Live Charakter entsteht. Auch kann durch die Nutzung von einem Chatraum Interaktion erzeugt werden. Der Nachteil liegt allerdings für den Anbieter darin, dass er jeden Kurs als neues Webinar geben muss. Und für den Lernenden ist ein Webinar sehr unpraktisch, da er nur live teilnehmen kann und sein eigenes Lerntempo nicht bestimmen kann. 

Im Vergleich zum Webinar bieten Online Kurse für beide Seiten deutliche Vorteile: Der Unterschied zwischen einem Webinar und einem Online Kurs liegt vor allem in der Struktur. Während ein Webinar in einem Block aufgenommen und genutzt wird, können die Inhalte in einem Online Kurs in einzelne Module gegliedert werden. So wird auch eine hierarchische Ordnung in mehreren Ebenen (zB. Kurs / Kapital / Lektionen) möglich. Für den Lernenden hat dies den entscheidenden Vorteil, dass das Angebot deutlich übersichtlicher ist und er einfach einzelne Sektionen wiederholen oder auch überspringen kann. So kann der Lernenden sein individuelles Lerntempo selbst bestimmen und zeitunabhängig lernen.

Das Webinar ist heute technisch überholt und nutzt nicht die Möglichkeiten von modernen eLearning Methoden. Angesichts der deutlichen Vorteile von Online Kursen stellen wir diese in den Vordergrund.

Wie aber können nur Anbieter von Seminaren die bestehenden Angebote und Inhalte digitalisieren, also in einem Online Format anbieten?

Das alles sieht am Anfang kompliziert aus. Ist es aber nicht, wenn die richtige Schrittfolge eingehalten wird. Wer seine bestehenden Seminare oder Schulungen nun als Online Kurs aufbereiten möchte, sollte wie folgt vorgehen: Inhalte in Modulen strukturieren, Kurse aufnehmen und als Online Kurs bereitstellen. Dabei haben viele Trainer zu großen Respekt vor der Technik. Zu unrecht: Denn das Smartphone und kostenlos verfügbare Plattformen ermöglichen es auch technisch Ungeübten, im Home Office und Studiotechnik oder Erfahrung im Videoschnitt eigene Online Kurse zu erstellen. 

In Modulen denken

Zu Beginn sind die bestehenden Inhalte für Seminare oder Schulungen neu zu strukturieren. Dabei können durchaus die bestehenden Materialien wie z.B. Foliensätze unverändert verwendet werden. Es geht nur darum, den Stoff in Modulen und Lernpfaden neu zu ordnen.

Denn die Teilnehmer können und sollen im Online Kurs das Lerntempo selbst bestimmen. Sie arbeiten dabei selbständiger und können vom Seminarleiter auch nicht 1 : 1 geführt werden. Diese Führung übernehmen im Online Kurs andere Elemente, die den Lernenden aktivieren oder motivieren. Die einfachste Form sind in den Stoff eingebaute Abfragen wie z.B. ein Quiz oder eine Checkliste zum Download. 

Für die Gliederung des Stoffes in Lernpfade und Module möchten wir an einem Beispiel der Microsoft Schulungen verdeutlichen, wie z.B. die Oline Schulung zu Office 365. Der Stoff ist in einzelne Lernpfade / Kapitel unterteilt. Innerhalb der Kapitel sind die Inhalte in kurze Lektionen von jeweils ca. 4 – 5 Minuten Dauer angelegt. Längere Kapital dauern um die 10 Minuten

Für den Lernenden hat diese kurze Taktung den großen Vorteil, dass er eine gute Übersicht über den Stoff hat und sein Lerntempo sehr individuell bestimmen kann. Das – nicht empfehlende Gegenteil – wäre lange Videokurse in einem Stück von über 30 Minuten. Hier hat der Lernende weniger Übersicht über den Stoff und kann nicht navigieren.

Die Form der Präsentation

Trainer oder Anbieter von Seminaren sind an den Frontalunterricht gewöhnt, ergänzt um das gemeinsame Arbeiten in Workshops oder Gruppen. Für den Online Kurs sind hier Anpassungen vorzunehmen, um das Potential von Online Schulungen optimal auszuschöpfen. Dabei unterscheiden wir zwischen der eingesprochenen Frontalaufnahme (der Trainer ist im Bild) und dem Screencast. Beim Screencast wird der Inhalt des Computers aufgenommen, also entweder eine Präsentation von Folien oder andere Schulungsunterlagen. Bei der Schulung von Software kann so sehr einfach die Bedienung der Software aufgenommen werden. Beim Screencast wird die Aufnahme ergänzend eingesprochen. Natürlich kann beides in einem Online Kurs auch kombiniert werden bis hin zur Aufnahme via Greenscreen wie ein Fernsehmoderator. 

Betrachten wir die Anforderungen an die Technik hierzu im einzelnen.

Screencast aufnehmen

Der Screencast die ist einfachste und schnellste Methode, um eine Online Schulung zu produzieren. Wer einen Laptop hat kann sofort loslegen, da Mikrofon und Kamera integriert sind. Sonst wäre der (stationäre) Computer durch ein USB Mikrofon und eine Webcam zu ergänzen. 

Je nach Betriebssystem (Windows oder Mac) kann ein Screencast bereits mit der vorinstallierten Software aufgenommen werden. Beim Mac ist dies mit Quicktime besonders einfach möglich, zumal bei Quicktime über die Funktion „Kürzen“ auch der Anfang und das Ende einfach abgeschnitten werden können.

In jedem Fall lohnt sich aber der Blick auf leistungsfähigere Software. Hier ist zunächst die Software Loom zu empfehlen. Mit Loom kann nicht nur der Inhalt des Desktop ausgezeichnet werden; parallel kann sich der Seminarleiter über die Webcam selbst ins Bild bringen und dabei verschiedene Größen der Portraitaufnahme wählen. Die fertige Aufnahme kann anschließend über einen Link geteilt und als MP4 zur weiteren Verwendung heruntergeladen werden. Die Basisvariante ist kostenlos.

Wer mehr Features für die Aufnahme und vor allem die Bearbeitung von Screencast sucht, kann sich die Lösungen Snagit und Camtasia von Techsmiths einmal anschauen. Beide Programme gibt es für Mac und Windows und als 14 Tage Testversion kostenlos. 

Tipp: Wir empfehlen dringend, zu Beginn nicht viel Zeit in Technik zu investieren. Für viele wird dies zum Zeitfresser und diese Zeit fehlt dann für die Inhalte. Startet schnell und einfach mit Loom. Später könnt Ihr bei Bedarf einfach umsteigen, wenn Ihr schon etwas Übung mit dem Aufnehmen selbst habt.

Aufnahme als Frontalvideo

Dies ist für die meisten Trainer und Seminarleiter die eingeübte Perspektive. Und die Aufnahme als Video ist denkbar einfach. Denn das Equipment habt Ihr bereits in der Hosentasche. Das Smartphone.

Jedes (!) einigermaßen moderne Smartphone ist hervorragend geeignet, in Hinblick auf Bildqualität und Ton hochwertige Aufnahmen zu produzieren. Alles was Ihr benötigt ist gutes (Sonnen) Licht und einen ruhigen Raum. 

Da die meisten Trainer hinreichend Erfahrung und Sicherheit im Sprechen haben, gelingt die erste Aufnahme meist bereits nach einigen Versuchen. Auch hier ist es unsere Empfehlung, schnell und ohne großes Technik Setup zu starten. Wichtig ist es, Erfolgserlebnisse und Erfahrungen zu sammeln. Unbedingt zu vermeiden sind auch hier Zeitfresser in aufwändigen technischem Setups bis hin zur Einrichtung des eigenen Studios. 

Das Equipment kann und sollte dann sukzessive erweitert werden um eine Haltung für das Smartphone, ein Stativ, ein externes Mikro z.B. als Ansteckmikro und evtl. gutes Licht für Aufnahmen abends oder an bedeckten Tagen. 

Aufnahme via Greenscreen

Die finale Ausbaustufe ist die Aufnahme des Frontalvideo vor einem sog. Greencsreen. Dies erlaubt es, die Videoaufnahme mit eigenem Material zu kombinieren und vor allem den Trainer als Moderator in / neben die Folien einzublenden. Auch diese ist heute keine exklusive Technik mehr für das Fernseher. Jeder Gamer streamt heute seine Aufnahme via Greenscreen auf Twitch und dann könnt Ihr als Seminarleiter in jedem Fall besser.

Für die Aufnahme reicht ein einfaches Set, wie Ihr es bei Amazon schon für ca. 100 EUR erhaltet. Und dann braucht Ihr noch die Software, um (mit nur einem Klick) das Grün aus dem Hintergrund zu entfernen und den so freigestellten Moderator in den Screencast einzumontieren. Das könnt Ihr z.B. mit Camtasia machen.

Aber stellt dies bitte zurück. Diese Option kommt für die meisten von Euch erst später ins Spiel. Am Anfang verliert Ihr nur Zeit an der falschen Stelle. Beherzigt unbedingt unseren Ratschlag und haltet zu Beginn das Zeitinvest in Aufnahmetechnik so gering wie möglich. 

Fazit: Online in 7 Tagen

Wir sind uns sicher, dass Ihr Euren ersten Online Kurs in spätestens 7 Tagen produziert habt. Nutzt jetzt die Zwangspause durch Corona und produziert Eure bestehenden Inhalte als Online Kurs.

Die Bereitstellung für Eure Kunden ist dann im zweiten Schritt genauso einfach wie die Aufnahme. Wir ergänzen dies hier in Kürze. 

Für heute ist unsere Empfehlung: Fangt einfach mal an.